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Politische Forderungen der Berliner Tauschringe |
(für den Bundeskongress "Anders arbeiten oder gar nicht
- Politische und rechtliche Rahmenbedingungen des Dritten Sektors" vom
23.4 - 25.4.99 an der Humboldt-Universität zu Berlin (Veranstalter:
Netzwerk Selbsthilfe e.V., Initiative Anders Arbeiten, Contraste -
Monatszeitung für Selbstorganisation, RefRat Humboldt-Universität
Berlin)
Tauschringe ausbauen!
Ausbau und Förderung von Tauschringen stärkt die lokale Ökonomie und den sozialen Zusammenhalt
Primäre Ziele der Tauschringe sind die Stärkung und der Erhalt lokaler
Strukturen im sozialen und gesellschaftlichen Bereich und im Bereich
der lokalen Ökonomie. Tauschringe leisten einen wichtigen Beitrag für
notwendige Umorientierungen. In Bereichen der Nachbarschaftshilfe, der
sozialen und ökonomischen Selbsthilfe, der Gemeinwesensentwicklung und
des nachhaltigen Wirtschaftens sind Tauschringe Modellprojekte für den
anstehenden Reformbedarf in der Gesamtgesellschaft.
Besonders das neue Verhältnis von Arbeit und Leben, wie es in den
Tauschringen gelebt wird, kann in Zeiten steigender
Erwerbsarbeitslosigkeit als vielversprechende Zukunftsstrategie gelten.
Denn unabhängig von den bestehenden Kriterien des Arbeitsmarktes können
hier eigene Fähigkeiten entdeckt und für sich und andere nutzbar
gemacht werden. Kopf und Handarbeit, sogenannte Frauen und
Männerarbeit, angeblich weniger qualifizierte Arbeit und höher
qualifizierte Arbeit werden neu eingeordnet. Die übliche
Existenzsicherung durch Erwerbseinkommen wird in den Tauschringen
ergänzt um eine Existenzsicherung, die sich auf soziale Beziehungen,
Vertrauen und Solidarität gründet. Zwischen Erwerbsarbeit auf der einen
und rein ehrenamtlicher, unentgeltlicher Arbeit auf der anderen Seite
prägen so die Tauschringe ein eigenes, wegweisendes Verhältnis von
Arbeit und Leben.
Forderungen:
- Tauschringe müssen als gemeinnützige Initiativen ohne gewerbliche
Interessen, die Arbeit in den Tauschringen als freiwilliges
Bürgerengagement anerkannt werden.
- Als Form bürgerschaftlichen Engagements müssen Tauschringe
staatliche (kommunale) Förderung erfahren. Zur Unterstützung unserer
Arbeit fordern wir die Bereitstellung von Räumen und eine
Anschubfinanzierung neu entstehender Tauschringprojekte. Auch für die
laufende Organisationsarbeit (Öffentlichkeitsarbeit,
Mitgliederbetreuung, ...) und für die überregionale Vernetzung der
Tauschringe untereinander benötigen wir staatliche (kommunale)
Unterstützung. Über die materielle Förderung hinaus wünschen wir uns
auch eine ideelle Unterstützung durch die Kommunen (Sozialämter und
Bürgerbüros könnten sich etwa an der Werbung für die Tauschringe
beteiligen).
- Die Verfügbarkeitsregelung nach SGB III darf auf freiwillige,
unentgeltliche Arbeit nicht angewandt werden. Diese Regelung wird
derzeit von der Bundesanstalt für Arbeit so interpretiert, daß z. B.
jemand, der mehr als 15 Stunden wöchentlich ehrenamtliche Arbeit
leistet, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder hilfe hat. Das
Gesetz sollte um eine Durchführungsverordnung ergänzt werden, die
klarstellt, daß Tätigkeiten in gemeinwohlorientierten,
Non-Profit-Initiativen von dieser Regelung ausgenommen sind.
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